Kurt Südmersen © 2008 - 2017 | Alle Rechte vorbehalten Design: ORCA-Institut für Konfliktmanagement und Training Aktualisiert am 04. Mai 2017
Was ist Zen ?
Zen und Gewaltfreie Kommunikation
Dieser Artikel will einen Beitrag dazu leisten Hintergründe, Überschneidungen und Ansätze in den Feldern Zen und Gewaltfreie Kommunikation zu beleuchten und für andere nutzbar zu machen. Ich erhebe auf keinen Fall den Anspruch in einem der beiden Felder die richtige Deutung zu haben, sondern würde mich freuen, wenn ich zum Nachdenken und Ausprobieren anregen kann. In meiner Arbeit sind mir Zen und Gewaltfreie Kommunikation die beiden wichtigsten Pfeiler, auf die ich meine Haltung sowohl im Konfliktmanagement wie auch als Zen Lehrer gründe. Seit vielen Jahren übe und studiere ich GFK und Zen und in all dieser Zeit war mir diffus bewusst, dass eine tiefe Verbindung zwischen diesen beiden Feldern besteht, ohne dass ich diesen Zusammenhang wirklich benennen konnte. Ich glaube einen Teil dieser Verbindung nun beschreiben zu können.  Was hat Zen mit Gewaltfreier Kommunikation zu tun? „Zen erfahren bedeutet, sich selbst erfahren. Sich selbst erfahren heißt, sich selbst vergessen. Sich selbst vergessen heißt, sich selbst wahrnehmen - in allen Dingen. Dies Erkennen bedeutet, dass das Unterscheiden aufhört: von Leib und Geist, von mir selbst und von den anderen. So verschwinden die Spuren der Erleuchtung, und zugleich ist sie da, jederzeit und überall, ohne dass wir daran denken.“ Diese berühmte Definition von Zen stammt von Dogen Zenji. Er wurde im Jahr 1200 in Japan geboren und ist der Begründer der Soto-Zen Schule, die bis heute eine wesentliche Bedeutung in der Zen Lehre hat. Zen zu üben bedeutet also sich in jedem Moment ganz dem zu widmen, was ich gerade tue und mich so anzunehmen, wie ich mich gerade vorfinde. Ich erinnere mich jederzeit daran, dass dieses Leben das einzige Leben ist und dass, was ich gerade tue, mein ganzes Leben in diesem Moment ist. Es geht beim Zen nicht darum irgendwohin zu gelangen, sondern eine Offenheit für das was ist zu entwickeln. In eskalierten Konfliktsituationen erlebe ich immer wieder, dass die Wirklichkeit von den Beteiligten nicht anerkannt wird, sondern dass sie daran arbeiten ihre Interpretation der Wirklichkeit durchzusetzen. Darum ist es bezeichnend für die GFK, dass sie zuerst daran arbeitet eine klare Beobachtung ohne Interpretation zu formulieren. Zen trainiert aufgerichtet und still zu sitzen und unserem Atem zu folgen. Der Weg, den wir damit gehen, führt dazu das Leben voll und ganz zu leben in Verbundenheit mit allem was ist und damit die Wirklichkeit anzuerkennen. „Wovon wir erwachen können ist die Illusion des Getrenntseins.“ (Thich Nhat Hanh) Gewaltfreie Kommunikation bezieht sich auf zwei Bereiche, eine konkrete Anleitung für eine verbindende Kommunikation und gleichzeitig eine spirituelle Praxis, die zu innerer und äußerer Harmonie führen will. Die einfachen vier Schritte unterstützen uns in unserer emotionalen Freiheit, in Selbstakzeptanz und in friedvollen und erfüllenden Beziehungen. In den Zen- und GFK-Seminaren öffnen wir den Raum für diese Erfahrungen: Die Aufrichtung beim Sitzen und in unserer gesamten Haltung. Das freundliche und wohlwollende Betrachten dessen, was gerade in uns lebendig ist. Präsenz im gegenwärtigen Augenblick. Dem inneren Dialog zuzuhören und Kritik, Analysen und Diagnosen in eine Sprache zu übersetzen, die das Leben unterstützt. Alle Bedürfnisse und positiven Motivationen herauszufinden, die hinter den Selbstbeschuldigungen und der Selbstkritik stehen. Verschiedene Muster des Denkens wie Depression, Schuld, Scham und Angst zu transformieren. Schlüsselunterscheidungen wie z. Bsp. Beobachten versus Bewertung, Gefühle versus Gedanken, Bedürfnisse versus Strategien, Bitten versus Forderungen voneinander zu trennen und damit mehr Klarheit in das Leben und die Sprache zu bringen. Mich für eine Haltung zu entscheiden, die das Potential meines Lebens erweitert. Einen offenen und authentischen Selbstausdruck.